Stefan Raab

Dabeisein ist alles


Bei Stefan Raabs "Bundesvision Song Contest" kann sich Pop-Deutschland präsentieren und profilieren

Aktueller Artikel im akuma.de Magazin zu Stefan Raab
» Übersicht von Stefan Raab anzeigen

Dabeisein ist alles

Bei Stefan Raabs "Bundesvision Song Contest" kann sich Pop-Deutschland präsentieren und profilieren

06.02.2009 Stefan Raab macht Musik. Auch wenn der "TV Total"-Moderator kaum noch selbst die Ukulele in die Hand nimmt. Und die Zeiten vorbei sind, in denen er mit Ulknummern wie "Börti Vogts", "Maschendrahtzaun" oder "Hol mir mal ne Flasche Bier" die Charts stürmte. Die Macht, die Raab im deutschen Musikgeschäft besitzt, ist dennoch nicht zu unterschätzen. So geht seine ureigene Grand-Prix-Variante, der "Bundesvision Song Contest" (kurz: BuViSoCo), dieses Jahr (Freitag, 13.2., 20.15 Uhr, live auf ProSieben) bereits in seine fünfte Runde. Und auch wenn die Einschaltquoten des Musikevents nach seiner Premiere 2005 stetig bergab gingen, Künstler und Plattenfirmen schätzen und nutzen dankbar die Plattform, die Raab ihnen hier bietet.

Klar, man darf inzwischen den Kopf schütteln, skeptisch oder bereits gelangweilt sein, wenn Raab einmal wieder zu seinen TV-Events von Wok-WM über Stock Car Crash Challenge bis Turmspringen bittet. Schließlich sind jene Formate - sichtbar vor allem beim sehr erfolgreichen "Schlag den Raab" - passgenau auf den Moderator zugeschnitten und dienen hauptsächlich seiner Selbstdarstellung. Aber: Nach dem Umbau der Musiksender MTV und VIVA, die Videoclips fast vollständig verbannt zu haben scheinen, angesichts von ungezählten Volksmusiksendungen und Retrochart-Shows, muss man Raabs "Bundesvision Song Contest" zugestehen, eines der wenigen TV-Formate zu sein, in der aktueller deutsch(sprachig)er Musik ein Forum geboten wird.

Stefan Raab - Z

Dass der Zuspruch des Fernsehpublikums in den letzten Jahren nachließ, mag viele Gründe haben. Mitverantwortlich dafür ist sicher auch die Berechenbarkeit des "Bundesvision Song Contests". Bei den bisher vier Auflagen des Wettbewerbs gewannen jeweils die Künstler und Bands, die zuvor schon ein breites Publikum oder eine große, treue Fanschar hinter sich wussten. Insofern dürften Seeed-Frontmann Peter Fox - der mit seiner Band bereits 2006 gewann - und die Newcomer Polarkreis 18 am 13. Februar den Sieg unter sich ausmachen. Für alle anderen Künstler gilt dennoch: Dabeisein ist alles. Und auf die Breitenwirksamkeit der Veranstaltung setzen. Folglich veröffentlichen fast alle der 16 Teilnehmer zeitgleich mit dem "Bundesvision Song Contest" ihre Songs als Singles, einige hoffen im direkten zeitlichen Umfeld auch, ihre neuen Alben besser zu promoten.

Songwriter Pascal Finkenauer - bislang hauptsächlich durch seine Fettes-Brot-Kollaborationen bekannt - tritt für Rheinland-Pfalz mit dem Titelsong seines dritten Albums "Unter Grund" (VÖ: 06.02.) an, Glashaus-Sängerin Cassandra Steen versucht mit "Darum leben wir" aus ihrem gleichnamigen Album (VÖ: 20.02.) an die Erfolge ihrer Band anzuknüpfen. Gar keinen Hehl aus seinen Ambitionen und Absichten macht der Hamburger Songwriter Olli Schulz, der mit seiner neuen Single "Mach den Bibo!" an- und auftritt. Auf seiner Homepage kommentiert er den Schritt: "Moment mal, hat der Schulz nicht mal in einem Interview geschworen, niemals da aufzutreten? Hat er nicht gesagt, er würde eher seinen eigenen Urin trinken als bei Stefan Raab zu spielen? Jaaaaaaa, das habe ich gesagt. Aber ich hab keine Wahl. Ich habe diesen verdammten Hit geschrieben und möchte so gerne, dass dieser Song die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient." Ob sich dieser Wunsch erfüllt, wird sich spätestens zeigen, wenn am 13. März Schulz' neues Album "Es brennt so schön" erscheint.

Etwas realistischer sieht Singer/Songwriterin Claudia Koreck ihre Erfolgschancen beim "Bundesvision Song Contest". Schon allein weil die gebürtige Traunsteinerin mit ihrem Mundart-Rocksong "I wui dass du woasst" beim nicht-bayrischen Publikum womöglich auf Verständnisschwierigkeiten treffen wird. Aber, meint Koreck, für sie gehe es geht nicht so sehr darum, möglichst weit vorn zu landen oder gar zu gewinnen. Sie empfinde es einfach als "total schön, dass ich da eine Plattform bekomme. Einfach zu zeigen, dass es mich gibt. Denn wir spielen ja auch außerhalb Bayerns, aber die Konzerte sind halt immer eher spärlich besucht. Es würde mich schon freuen, wenn dadurch 50 Leute mehr kommen."

Die Einschätzung und Hoffnung Korecks dürfte der Großteil der teilnehmenden Künstler und Bands teilen. Denn auch dem Heavy-Metal-Trio Rage (Nordrhein-Westfalen), den Indie-Poppern P:lot (Saarland) oder der HipHop-Hoffnung Marteria (Mecklenburg-Vorpommern) bietet der "Bundesvision Song Contest" die Chance sich jenseits einer regional begrenzten oder musikalisch-eingeschworenen Szene einem großen Publikum zu präsentieren. Und vielleicht ja auch den Moderator für sich begeistern. Denn Raab hat schließlich nicht nur seinen eigenen Schützlingen, Soul-Sänger Max Mutzke und Rockröhre Stefanie Heinzmann, zu Charterfolgen verholfen. Jüngstes Beispiel für die musikalische Macht des Ex-Metzgers ist der britische Schmusepopsänger James Morrison. Nachdem die erste Single seines Albums "Songs For You, Truths For Me" mit Platz 71 ein wenig floppte, brachte sein Auftritt bei der Januar-Ausgabe von "Schlag den Raab" den gewünschten Erfolg: "Broken Strings" stieg von null auf eins in die Single-Charts ein. ~ Stefan Weber (teleschau)


Interviews, Stories, Meldungen und CD-Kritiken zu Stefan Raab

Unser Star für 2011?

Lena Meyer-Landrut triumphiert beim Eurovision Song Contest - und nächstes Jahr gleich...
Unser Star für 2011?

Das Rauschen im Blätterwald war überdeutlich: "Lena, wir lieben dich", "Lena - So hat sie Europa verzaubert", "Das Wunder von Oslo", "Verrückt nach Lena", "Fräulein Wunder" - Deutschland einig Lena-Land. Ihr Triumph beim Eurovision Song Contest hat nicht nur die 19-Jährige selbst, ihren Mentor Stefan Raab und die den seit Jahrzehnten übertragende ARD zunächst geschockt und dann euphorisiert, sondern auch die komplette Nation. Von einer beispiellosen Begeisterungswelle getragen,... mehr »


Weitere Meldungen zu Stefan Raab