Nach zehn ebenso berückenden wie obskuren Platten in knapp 15 Jahren wird wohl niemand mehr ernsthaft erwarten, dass Andrew Bird je den Bekanntheitsgrad eines hergelaufenen C-Promis übersteigt. Nachdem der Chicagoer Songwriter und Multiinstrumentalist die Spielarten Blues, Jazz, Country, Retro-Swing und Soul-Pop vor und zurück auf das Eigenwilligste durchmessen hat, ist das aber auch irgendwo egal. Denn die Arbeiten Andrew Birds gedeihen wie seltsame Schattengewächse: Zart und filigran sind seine Lieder, aber gleichzeitig viel zu schlau und gewitzt, als dass jeder Gefühlsdusel gleich mit ihnen warm würde. Bei "Noble Beast" verhält sich das nicht anders. Man erkennt Birds schräge Eigenheiten und seine musikalischen Verweise, den Originellen und den Eklektiker zugleich. ~ Jens Szameit (teleschau) aufklappen »
Mit einem Pfeifen auf den Lippen eröffnet Bird das Album, dem Sound-Ambiente nach circa 1970: "Oh No" heißt die brillante Nummer, eine schimmernde Folk-Miniatur, deren Harmonien an den jungen Crooner Harry Nilsson denken lassen. "Fitz And The Dizzy Spells" ist stärker im zeitgenössischen Indie Pop verankert, erinnert in Aufbau und Arrangement frappierend an die kanadischen Hidden Cameras. "Masterswarm" wiederum lässt mit seinen zerdehnten Gesangslinien erahnen, warum Bird so oft mit Radiohead-Sänger Thom Yorke verglichen wird. Tatsächlich liegt die Yorkesche Nabelschau dem elegischen Stück aber ebenso fern wie etwa dem wie hingetupften "Natural Disaster". Und durch das stolze "Tenuousness" weht gar ein Hauch britisch-aristokratischer Dünkel, den man bei einem Künstler aus der einstigen Post-Rock-Hochburg Chicago nicht unbedingt erwartet hätte.
Überhaupt zehrt Bird einmal mehr von seiner klassischen Ausbildung. Das rätselhafte "Anonanimal" ist ein ungeheuerliches Kammerstück, das der Violinist anfänglich ganz um ein kreiselndes Streicherensemble aufbaut. "The Privateers", ebenfalls mit den feierlichsten Streichern veredelt, ist schließlich das letzte Wunder dieser rundum beglückenden Platte, die den Songwriter mehr denn je als geschmackssicheren Kenner ausweist. Simon And Garfunkel, Tim Hardin, Nick Drake circa "Bryter Layter". Nur die besten Zutaten halt für eine ganz eigene Mischung. Oh! The Grandeur.