Kurzfristig wurde auch den Doves - wie so vielen Bands zuvor - mal der Status der "nächsten U2" eingeräumt. Mit ihrem zweiten Album "The Last Broadcast" toppte das Trio aus Manchester 2002 die britischen Charts. Kein Wunder, schwang sich ihr epischer Breitwandrock zu genau den Hymnen auf, die man eigentlich gerne von Bono & Co. gehört hätte. Entschlossen diesem (Erfolgs-)Kurs folgen wollte die Band allerdings nicht. Sie ließen sich für das etwas weniger verträumte, direktere Nachfolgealbum drei, für "Kingdom Of Rust" wiederum vier Jahre Zeit. Aus dem nun vor allem eines spricht: höchste künstlerische Ambition. ~ Stefan Weber (teleschau) aufklappen »
Eingängige Hits wie das fast schon naiv-melodiöse "There Goes The Fear", das unnachahmlich marschierende "Pounding" oder die feine Motown-Referenz "Black And White Town" wird man auf dem vierten Album der Band kaum finden. Stattdessen, so Gitarrist Jez Williams, habe man versucht, neue musikalische Wege zu beschreiten, es sich selbst nicht allzu bequem mit ihrem Sound zu machen. Und dieser Drang ist "Kingdom Of Rust" deutlich anzumerken, führt aber zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen.
Schon der Opener "Jetstream" ist leider kaum mehr als ein durchschnittlicher Versuch, ihren Breitwandsound auf Kraftwerk-Beats treffen zu lassen, über den - ungewohnt und eher mäßig talentiert- Gitarrist Williams seine Stimme legt. Beim darauf folgenden "Kingdom Of Rust" darf Sänger Jimi Goodwin dann übernehmen und sorgt dafür, dass der Song mit seiner Sergio-Leone-Streicherdramatik noch am ehesten an die große Zeit des Trios erinnert. "The Outsiders" überzeugt mit überraschender Stoner-Rock-Geradlinigkeit, die Dub-Einflüsse bei "Compulsion" eher weniger. Und "Spellbound" macht noch einmal klar, warum die Band schon immer gern mit Radiohead verglichen wurde, der Song klingt wie ein Akustik-Outtake von "OK Computer".
Sicher nicht die schlechteste Referenz. Und Freunde des experimentellen Fünfers aus Oxford werden an "Kingdom Of Rust" sicher ihre Freude haben. Genauso wie Anhänger von Elbow und - mit Abstrichen - auch Coldplay. Und vielleicht sogar U2-Fans. Denn deren neues Album ist ja auch einigermaßen weit entfernt von den Hymnen früherer Tage.