Sisters

Propheten im eigenen Land?


Die Sisters sind keine kleinen Schwestern

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Propheten im eigenen Land?

Die Sisters sind keine kleinen Schwestern

05.09.2008 "Gender Riot" heißt das Debütalbum der Sisters. Das klingt nach einer ziemlichen Ansage gegen eine männerdominierte Welt, gegen die klassischen Hierarchie-Strukturen der Popmusik. Und in der Tat sind die Sisters starke Frauen, was auch ein Blick in die Biografie der Band verrät: Die Geburtsstunde datiert gewissermaßen Anfang des Jahrtausends: Damals gründete sich der Verein "Brothers Keepers", in dem unter anderem Xavier Naidoo, Afrob und Samy Deluxe gegen Rasissmus und Fremdenfeindlichkeit ankämpfen wollten. "Sisters Keepers" war quasi eine Abteilung und gleichzeitig das weibliche Gegenstück: Künstlerinnen mit afrikanischen oder afroamerikanischen Wurzeln agierten als Sprachrohr. Gleichzeitig war's eben auch ein musikalisches Projekt.

Meli, früher MC bei den fantastischen Skills En Masse, Onejiro (Firefuckers, Sam Ragga Band) und Nicole Hadfield sitzen in einem Münchner Café und erzählen. Von dem, was war, aber auch von dem, was ist. Das mit den Sisters Keepers, das ist Vergangenheit, und das kann man schon gut verstehen. Denn es lag in der Natur des Namens, dass man an ein Nebenprojekt dachte, dass man das Wort Sisters nicht nur als Zusammenschluss von Künstlern afrikanischer Herkunft sah, sondern auch an die klassische kleine Schwester dachte, die eben quasi mit männlicher Unterstützung agiert. Das war damals bereits nicht so - und mit dem Debütalbum "Gender Riots" wird der Verdacht eindrucksvoll weggeblasen.

Sisters - S

Sieben starke Frauen, neben eben genannten noch Mamadee, Tamika, Noah Sow und Namusoke agieren da in einem manchmal etwas holprigen, aber letzten Endes doch homogenen Spannungsfeld zwischen HipHop, Soul und Pop. Massiv tanzbar sind die Songs meistens, die Message gibt's gratis dazu. Eine erste Kostprobe hörte Popdeutschland im Frühjahr bei Stefan Raabs "Bundesvision Song Constest", wo die Sisters für Nordrheinwestfalen starteten, sich aber nicht wirklich durchsetzen konnten.

"Natürlich waren Teile von uns bei Sisters Keepers, natürlich ist das ein Ursprung. Aber die Besetzung ist ja nicht die gleiche, es sind ja viele von damals weg und dafür viele neue hinzugekommen", erklärt Meli. Ein Prozess, der auch die lange Entstehungszeit des Albums erklärt: "Gut Ding will Weile haben", sagt Onejiro und weist darauf hin, dass schließlich sämtliche Mitstreiterinnen auch noch in anderen Bands spielen oder als Solokünstlerinnen aktiv sind. Vielleicht einer der Gründe, aus denen die Sisters funktionieren. Auch wenn sie vermutlich widersprechen würden: Meistens machen sie den Eindruck eines Kollektivs, eines eher losen Zusammenschlusses. Jede der Schwestern hat ganz eigene Stärken, und die hört man sehr unmittelbar, sehr individuell heraus. "Es ist auf jeden Fall die Wunschbesetzung. Wir sind Fans voneinander" heißt es irgendwann. Vielleicht ein guter Ausgangspunkt für Kreativität, weil doch ein bisschen mehr Respekt im Spiel ist. Zudem wollten die Sisters ihre Platte "nicht zusammenschustern", wollten den organischen Wachstumsprozess der Gruppe quasi übertragen: Die fluffige Produktion von Matthias Arfmann trug sicher ihren Teil dazu bei, dass das gelang.

Und die Message? Die gibt es immer noch. Sisters thematisieren Weiblichkeit, aber auch ihre Wurzeln. Sie sind Botschafterinnen, nicht unbedingt eines neuen Feminismus, wohl aber ihrer Herkunft. So tourten die Sisters schon durch die Schulen, leisteten Aufklärungsarbeit nicht nur in Sachen Musik, sondern auch in Sachen Afrika. "Es ist bedrückend, wie wenig die Schüler teilweise wissen. Das scheint in den Lehrplänen fast nicht vorzukommen", sagt sie. Dass das Goethe-Institut sie bereits durch Italien schickte, zeigt auf, dass ihre Arbeit Früchte trägt, hoch geschätzt wird. Wäre schön, wenn sich das jetzt auch noch im eigenen Land herumsprechen würde. ~ Jochen Overbeck (teleschau)


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