Fräulein Wunder

Am besten: Das Essen


Fräulein Wunder sind so natürlich

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Am besten: Das Essen

Fräulein Wunder sind so natürlich

15.08.2008 Das Beste an Fräulein Wunder ist natürlich nicht die Musik. Das Beste ist, dass auf den ersten Blick all die Vorurteile, die Otto Normalverbraucher gegen die Musikindustrie an sich hat, hier bestätigt werden. Aber eben nur auf den ersten Eindruck, den nach einem Gespräch mit Chanty, Kerstin, Stephy und Pia fällt rasch auf: Die hat niemand erfunden, die sind wirklich so: Vier Teenager. Bunt. Ein bisschen Punk, aber in einer Variante, die eher schnuffig als aufrührerisch wirkt und manchmal an 80er-Ikonen wie die Neonbabies auf der einen und die Cars an der anderen Seite erinnert - etwas Richtung 2008 poliert, versteht sich.

Es ist einer dieser Sommertage, an denen sich das Wetter nicht so recht entscheiden kann, ob es nun für die Menschen ist oder prinzipiell dagegen. Fräulein Wunder sitzen in einem der Konferenzräume im obersten Geschoss der Plattenfirmenzentrale. Man merkt, dass das alles für sie ein bisschen neu ist - zum Beispiel daran, dass sie es noch ganz schön gut finden, dass es bei Großveranstaltungen wie "Rock am Ring" für die Künstler nicht nur Parties, sondern auch eine ordentliche Verköstigung gibt. Und: Sie sind noch freundlich. Die Routine, die Interviews mit Musikern so lähmend machen kann, die ist noch nicht eingekehrt. Höflich und neugierig sitzen Pia, Chanty, Steffy und Kerstin da und erzählen. Davon, wie es so ist, plötzlich in 'ner Band zu sein. Davon, wie es war, mit Inga Humpe Songs zu schreiben. Und davon, wie es ist, wenn plötzlich im Pausenhof die anderen Jugendlichen ankommen, und Autogramme wollen.

Fräulein Wunder - J

Fräulein Wunder kommen aus Hessen. Genauer gesagt: Aus Friedberg, einer Stadt, die tatsächlich so eine Art weltweiten Mini-VIP-Status besitzt, weil Elvis Presley hier zwischen 1958 und 1960 seinen Wehrdienst ableistete. Ansonsten sind die Rahmendaten solche, die üblich für die deutsche Provinz sind: knapp 30.000 Einwohner. Gegründet im Mittelalter, Wurzeln in der Römerzeit. Elvis, und sonst: Wolf Schmidt, einer der "Hesselbachs" und der Rapper Kollegah. Das war's. Hat man ja oft, dass Nachwuchsbands nicht aus den Metropolen stammen, ist aber vermutlich eine gute Spielwiese: Bevor Fräulein Wunder zu dem wurden, was sie heute sind, versuchten sie sich in Bands, die eher in den Jugendzentren der Region spielten und Namen wie Kackhaufen und Puppenblut - ein bisschen schade, dass der nicht geblieben ist - trugen. Und dann passierten die Dinge, die eben so passieren: Aufnahmen, weitergeschickte Demos. Plötzlich heftiges Interesse der Plattenfirmen, die ihre Entscheidungsträger in die Konzerte schickten.

Trotzdem: Die vier versuchen, so zu bleiben, wie sie sind. Eine der klassischen Band-Parolen, eh klar. Aber auch hier kommt wieder die Sache mit der Authentizität: Man nimmt ihnen solche Sätze ab - ebenso wie die Beschwerden darüber, dass auch solche Klassenkameraden, die sie früher nicht einmal angeschaut hätten, für Fotos und Autogramme kommen. Denn so sehr Chanty und die anderen betonen, dass sie den Erfolg verdienen, so sehr sie Selbstbewusstsein vermitteln: Dass sie Anhänger haben verwirrt sie doch ein bisschen. Fanclubs bis nach Mexiko habe man, so sagt Chanty. Die können übrigens alles sehen, was ihre Lieblingsband treibt. Ihr Video-Bandtagebuch läuft bei VIVA und, heutzutage fast wichtiger, im Bewegtbildportal YouTube. Nervt die ständige Kamerabegleitung nicht? Nein, sagen Fräulein Wunder. Obwohl: manchmal ein bisschen.

Doch bei allen wohl schlichtweg dem Lauf der Dinge zuzuschreibenden 2.0-Aktivitäten: Fräulein Wunder sind auch eine Live-Band. Gemeinsam mit den Killerpilzen war man auf Achse und wurde von den frenetischen Pilz-Fans durchaus abgefeiert. "Wir waren uns nicht sicher, ob das gut gehen würde", sagt Chanty: "Immerhin hätten die uns ja als so 'ne Art Konkurrenz sehen können, nach dem Motto: Die dürfen backstage, wir nicht." Eine eigene Konzertreise startet dieser Tage, und auch wenn es ja diesen Satz mit den Meistern gibt, die noch nie vom Himmel gefallen ist: Fräuleinwunder spielen schon ganz gut, ganz tight, ganz energiereich. Erkennt man auch daran, dass sie es immerhin schafften, als noch ungesignte Band bei Rock am Ring die Clubbühne zu füllen, zu einer Zeit, in der die meisten Festivalbesucher vermutlich noch in ihrem Zelt vor sich hin müffelten. "Die wollten sogar noch eine Zugabe" sagt Kerstin. Ging natürlich nicht, eh klar. So läuft das eben, da bei der Musikindustrie. ~ Jochen Overbeck (teleschau)


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