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Mut zur Hoffnung


Bei der Verleihung des Deutschen Musikpreises "Echo" feiert die Branche sich selbst - trotz schlechter Zahlen

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Mut zur Hoffnung

Bei der Verleihung des Deutschen Musikpreises "Echo" feiert die Branche sich selbst - trotz schlechter Zahlen

23.01.2009 An Hiobsbotschaften aus der Musikindustrie hat man sich inzwischen fast gewöhnt. Immer wieder ist über sinkende Verkaufszahlen physischer Tonträger zu lesen, die trotz wachsender Umsätze bei legalen Downloads nicht aufgefangen werden können. Auch wenn ersten Meldungen zufolge die Zahlen für den deutschen Musikmarkt 2008 nicht ganz so verheerend sind wie im Vorjahr, so gibt es eigentlich für die Branche kaum Grund zum Feiern. Deswegen mag es verwundern, dass die alljährliche Verleihung des Deutschen Musikpreises "Echo" dieses Jahr mit einem Line-Up der Superlative auftrumpft. Aber auch die Inszenierung als Megaevent, das live in der ARD übertragen wird (Samstag, 21. Februar, 20.15 Uhr), kann über die schwierige Lage der Musikindustrie nicht hinwegtäuschen.

Die Rahmenbedingungen für eine spektakuläre Live-Show sind indes gegeben. Comedy-Star Oliver Pocher und Moderatorin und Sängerin Barbara Schöneberger werden unterhaltsam durch das Programm des Abends führen. Als Veranstaltungsort dient die erst im September neu eröffnete Multifunktionsarena "O2-World" in Berlin, in der zum "Echo" 10.000 Besucher Platz finden können. Und mit bestätigten Live-Auftritten von Deutschrocker Udo Lindenberg, den beiden weiblichen Shootingstars 2008, Songwriterin Amy Macdonald und Popgöre Katy Perry, und vor allem natürlich von den irischen Superstars U2 wird die Halle sicherlich bis auf den letzten Platz ausverkauft sein.

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Zu feiern gibt es anlässlich des "Echo" für die Musikwirtschaft höchstens, dass die Zahlen für 2008 nicht ganz so schlecht sind wie in den Vorjahren. Der Bundesverband Musikindustrie e.V. erwartet, dass man das vergangene Jahr mit "einem kleineren Umsatzminus im einstelligen Bereich" abschließe, wie deren Geschäftsführer Stefan Michalk noch vor Jahresfrist wissen ließ. Das Geschäft mit dem Verkauf von Tonträgern und Musikdownloads sei zwar weiterhin rückläufig, aber das Lizenzgeschäft, die Einnahmen aus Nebenrechten wie dem Merchandising oder aus dem Verkauf von Konzertkarten seien erneut gewachsen, sagte Michalk. Aber auch in diesen Bestrebungen, das ursprüngliche Kerngeschäft auszuweiten, müssen die Majorlabels Rückschläge und Konkurrenz hinnehmen. So verkündeten etwa U2 im März 2008, dass sie mit dem Weltmarktführer im Konzertgewerbe, Live Nation, einen Zwölfjahresvertrag geschlossen haben, der neben dem klassischen Tourgeschäft auch Merchandising und Onlinevermarktung für die irische Rockband umfasst. Superstar Madonna ging 2007 sogar schon noch einen Schritt weiter: Sie unterschrieb ebenfalls bei Live Nation, die nun für zehn Jahre nicht nur ihre Touren vermarkten, sondern auch sämtliche Rechte an den Aufnahmen der Künstlerin besitzen.

Vielfach bleibt für die klassische Musikindustrie, für Majorlabels und kleine Plattenfirmen nur der Mut zur Hoffnung. Nicht viel anders ist auch der Stolz zu deuten, mit dem Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Phono-Akademie verkündete, dass U2 bei der Verleihung des "Echo" als Live-Act auftreten werden. "Es ist uns eine große Ehre, Weltstars wie U2 auf der Echo-Bühne begrüßen zu dürfen", kommentierte er den vermeintlichen Coup. "Diese kontinentaleuropäische TV-Premiere bestätigt den hohen Stellenwert, den der Echo in der Musikwelt genießt." Dass Bono und Co. drei Tage zuvor ebenfalls bei den ungleich renommierteren "Brit Awards" in London auftreten, um ihr Ende Februar erscheinendes, neues Album "No Line On The Horizon" zu promoten, verschwieg Gorny. Und wie wichtig eine mögliche "Echo"-Auszeichnung für Künstler wie Coldplay und Duffy ist, die sich zuvor auch Hoffnungen auf einen "Grammy" und "Brit Award" machen dürfen, sei ebenfalls dahingestellt.

Wirklich interessant dürfte der Abend höchstens für die Nominierten in den nationalen Kategorien sein. Sarah Connor, Stefanie Heinzmann, LaFee, Annett Louisan und Ina Müller konkurrieren um die Auszeichnung als "Künstlerin National Rock/Pop", während sich bei den Männern Thomas Godoj, Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Peter Maffay und Schiller Chancen auf einen "Echo" ausrechnen dürfen. Dies darf sogar wörtlich verstanden werden, schließlich regieren bei der Auszeichnung in der Regel die nackten Verkaufszahlen, wird nach Chartplatzierungen nominiert. Nur in den Kategorien "Bester Live-Act National" und "Bestes Video National" wird der Preisträger per Online-Voting der Zuschauer bestimmt. Mit großen Überraschungen für das Publikum oder die Künstler dürfte also kaum zu rechnen sein. Und für die Musikindustrie wenigstens einen Abend lang auch nicht mit neuen Hiobsbotschaften. ~ Stefan Weber (teleschau)


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