Zunächst führt uns Rocky Votolato in die Irre. Sein "Lucky Clover Coin", das "True Devotion" eröffnet, erklingt weich und warm. Ein Streicherteppich, der leicht anachronistisch wirkt, was zu der Annahme verführt, da würde gleich ein Crooner die Stimme erheben. Aber keine Sorge. Der ehemalige Vorsteher der Emo-Rock-Band Waxwing tut immer noch das, was er am besten kann: Er schreibt Songs, die nicht viel brauchen. Eigentlich nur sein immer vorsichtig wirkendes Gitarrenspiel, seine recht schmeichelnde Stimme, vor allem aber sein immens gutes Gespür für Melodien. ~ Jochen Overbeck (teleschau) aufklappen »
Manchmal kommt etwas mehr dazu. Ein trocken angespieltes Schlagzeug oder ein knarziger Bass etwa, in "Instrument" eine Mundharmonika, in "What Waited For Me" ein Klavier. Nötig wäre all das nicht unbedingt. Denn die sparsame Instrumentierung steht Votolatos Songs bestens, der Sound ist zwar nichts Neues, aber dennoch angenehm. Songwriter-Pop ist es, dem aber der klassische Country-Ansatz fehlt, der sich also eher an Elliott Smith oder Billy Bragg orientiert. Dazu kommt aber eben eine Punk-Vergangenheit, deren Rohheit nicht mehr zu erkennen, wohl aber noch zu erahnen ist.
Klar: Natürlich hatte das viel beschworene Genre "Emo-Rock" seine Hochzeit mit den Erfolgen von Dashboard Confessional oder den New Amsterdams in den frühen Nuller-Jahren. Andererseits ist ein Lied ein Lied und funktioniert auch jenseits irgendwelcher vom Zeitgeist vorgegebenen Strömungen - wenn es gut ist. Dies gelingt Votolato - auch weil man als Hörer immer den Eindruck hat, da in einem Tagebuch zu lesen, da in den verschiedenen Kammern eines großen Herzens viele kleine Geschichten zu finden.