Das Video zum Titeltrack erklärt ganz gut, worum es Amanda Jenssen in "Happyland" geht. Die 21-Jährige, in ihrer Heimat Schweden Nummer-eins-Künstlerin, entwirft hier ein sinistres, aber durchaus ansprechendes Idealbild eines Nachtclubs in der Vergangenheit. Es ist dunkel, verraucht, eine Handvoll Gestalten tanzt den Lindi Hopp, einen Tanzstil aus dem Amerika der 30er-Jahre. Die Band spielt seelenvoll ihr Jazz-Instrumentarium - und die Sängerin selbst schreit sich die Seele aus dem Leib. ~ Jochen Overbeck (teleschau) aufklappen »
Stimmgewalt ist aber nicht alles bei Amanda Jenssen. Die 21-Jährige dürfte in Sachen Präsenz, in Sachen Corporate Identity, kritisch betrachtet natürlich auch in Sachen Produktdesign, momentan ziemlich weit vorne stehen. Ihr Image verschmilzt mit ihrer Musik, bildet einen diffus in der Vergangenheit angesiedelten Hybrid aus Jazz, aus Swing, aus Pop, in dem aber eben auch die Optik eine wahnsinnig wichtige Rolle spielt.
Die Wasserstoffblondine trägt meistens Vintage-Kleider, gerne auch mal ein Schleierchen. Sie schminkt sich wie ein Star der 30er-Jahre und bewegt sich auch so. Ein bisschen erinnert das an die Burlesken einer Dita von Teese - mit dem Unterschied, dass Erotik hier nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ein Stück weit auch an Amy Winehouse - nur ist Jenssen noch nicht so kantig, noch nicht so eigen - und vermutlich etwas pflegeleichter.
Doch letztendlich sind Amanda Jenssens Songs stark genug, um alleine zu glänzen. Die oft gemeinsam mit Pär Wiksten (Wannadies) geschriebenen Stücke lassen rasch vergessen, dass die Sängerin ihren Durchbruch der TV-Show "Idol 2007", der schwedischen Variante von "Deutschland sucht den Superstar" zu verdanken hat. Denn neben dem hedonistischen Lärm des Titeltracks, flottem Easy-Listening-Rock'n'Roll ("The Rebounder") oder dem an Amy Winehouse oder Duffy erinnernden Swing in "Save Me For A Day" kann die 21-Jährige auch ruhig: "Sing Me To Sleep" etwa ist eine kleine Ballade, die nicht viel mehr braucht als eine Akustikgitarre und ein paar Streicher, "I Choose You" ist in Sachen Tempo ähnlich, musikalisch aber der Gegenentwurf: eine große, alles umfassende Crooner-Nummer mit zart angeschlagener Fifties-Gitarre, hübsch gesetzten Streichern und einem Refrain, für den andere Bands wohl töten würden. Insgesamt ein beachtliches Album.