"I'm always almost crying" singt Adam Arcuragi in "Almost Always", einem der schönsten Tracks seines neuen Albums "I Am Become Joy". Was nach persönlichem Klagelied klingt, ist bei Arcuragi eher eine durchaus objektive Tatsachenschilderung, der es gelingt, musikalisch alle allzu penetranten Befindlichkeitsmomente zu umschiffen. Statt Song und Inhalt unchiffriert zu verbinden, schafft Arcuragi Stimmungen, die nicht unbedingt überraschen, holen sie sich doch ihre Einflüsse bei denselben Adressen wie Großmeister des kontemporären Folkrocks, wie Arcade Fire oder Beirut. Zu Letzteren könnte der Amerikaner durchaus aufschließen. ~ Jochen Overbeck (teleschau) aufklappen »
Auf den Balkan als Einfluss scheint Arcuragi dabei zu verzichten - wobei eine geografische Verortung seines Songmaterials nicht ganz leicht fällt. Windschiefer Blues und die Begräbnisgesänge New Orleans' scheinen ebenso eine Rolle zu spielen wie Bruce Springsteen zu "Nebraska"-Zeiten, der Westcoast-Folk eines John Phillips und der elegische Rock von Okkervil River. All das wird jedoch immer vergrößert, oft genug regelrecht aufgeblasen. So wurde etwa "The Long Road 38" nicht nur mit Hammondorgel und Bläsern ausgestattet, sondern bekam einen deftigen Gospelchor zur Verfügung gestellt - wobei die übrigens in verschiedenen Kirchen aufgenommenen Chorarrangements fast jeden der Songs prägen.
Spannend ist das musikalische Selbstverständnis des heute in Philadelphia wohnenden Sängers: Seine Band "The Lupine Chorale Society" ist ein loses Kollektiv, eine Art Musikerbund, der - zumindest soll's mal so sein - mehrfach besetzt ist und Arcuragi in verschiedenen Landstrichen der Vereinigten Staaten unterstützen kann. Der ist als Brotberuf übrigens Lehrer in einem amerikanischen Fortbildungsprogramm. "I Am Become Joy" sollte eigentlich dazu führen, dass das nicht mehr nötig ist.