Man weiß nicht viel über die amerikanisch-mexikanische Singer / Songwriterin Lhasa, die 1997 aus dem Nichts erschien. Für ihr erstes Album "La Llorona" nannte sie sich noch Lhasa de Sela, sang Spanisch und konstruierte ihre Songs aus mexikanisch-texanischen Gipsy- und Ranchera-Elementen. Ein großartiges Album, wegweisend, aber sehr mittelamerikanisch. Heute singt die Wahlkanadierin Englisch, und ihr drittes Album "Lhasa" klingt mal wieder ganz ganz anders. ~ Kati Hofacker (teleschau) aufklappen »
Lhasa kam scheinbar aus dem Nirgendwo, aber ihr erstes Album machte seinen Weg über Kanada und Frankreich nach Europa. Die extrem unkommerzielle Produktion verkaufte dabei die ziemlich beeindruckende Zahl von 500.000 Stück weltweit. Das zweite Album "The Living Road" versammelte bereits Songs mit anderem kulturellen Background: Chanson, Pop, in drei Sprachen gesungen - Spanisch, Französisch und Englisch.
"Lhasa" nun ist wieder anders. Das an Folk und Blues angelehnte Album befleißigt sich einer so unendlich melancholischen Langsamkeit, wie sie sich heutzutage kaum noch jemand leistet. Zauberhafte Gitarren, ein weit entfernter Bottlenecksound, Pedal Steel, Piano, Harfe, dezentes Schlagwerk, meist sanft mit dem Besen über die Drums gepinselt, das war's. Lhasas tiefe und melodische Stimme, die stark an Lila Downs erinnert, passt exakt zu diesen leisen Tönen. Die englischen Texte, die pure und schnörkellose Produktion und diese unendlich traurigen, sanften Lieder, weit weg von jeder Weinerlichkeit, sind von einer blauen Tiefe, einer kristallenen Klarheit und einem samtschwarzen Seelenschmerz, dass man schreien könnte. Traumhaften Melodien und produktionstechnische Spielereien wie Reminiszenzen an Tom Waits und nostalgische Blues-, Gospel-, Folk- und Country-Elemente machen die Sache rund. Wer seit Mazzy Stars "Fade Into You" keinen passenden Soundtrack zum Selbstmord mehr gefunden hat: hier ist er! Faszinierend, hypnotisch, schön!